Der Zuckerhut der Schweiz - Meine Wanderung im Tessin

Tessin Wandern in der Schweiz  Morcote

Im April in der Schweiz wandern zu gehen, stellte sich gar nicht so einfach heraus, denn noch viele Berge sind mit Schnee bedeckt und einige Skigebiete gehen gerade mal in die Sommerpause. Deswegen suche ich mir das Tessin aus, denn dort sind einfache Wanderrouten zu finden und das Wetter verspricht ganzjährig viel Sonnenschein. Eine leichte Strecke suchte ich, denn mit meinem Knie ist nach einem Snowboard Unfall, noch nicht alles wieder in Ordnung.

Ich buchte mir über die SBB eine Tagessparkarte etwa 2 Wochen im Voraus für 59 CHF, mit der ich an dem ausgewähltem Tag in der ganzen Schweiz mit allen öffentlichen, zugehörigen Verkehrsmitteln herumreisen kann. Dieser Preis ist gültig mit meinem Halbtaxabonnement. Meine Wanderbegleitung und Lebensgefährte konnte für nur 38 CHF zusätzlich in der selben Klasse und der ganzen Schweiz mit mir herumreisen.

Früh Morgens um 8:18 Uhr ging der Zug von Zürich nach Lugano, um dann dort nach Lugano Paradiso umzusteigen. Es fuhren doch mehr Menschen im Zug von Zürich mit als ich dachte, dennoch fanden wir einen schönen Platz am Fenster um herauszuschauen und die Landschaft zu geniessen.

Angekommen im Tessin

In Lugano Paradiso angekommen, suchte ich nach dem Weg zum Elevator “Monte San Salvatore”, welches auch perfekt ausgeschildert war. Mit dem Spartagesticket zahlst Du lediglich 11.50 CHF für die Karte, um nach ganz oben auf den “Zuckerhut der Schweiz” zu kommen. Alle 30 Minuten gibt es eine Seilbahn nach oben und unten, die Fahrt dauert gerade mal 12 Minuten. Zwischendurch, nach 830 m, wird die Bahn gewechselt, denn der Anstieg wird steiler und beträgt bei der ersten Fahrt 37%, wo es dann bei der zweiten Bahn eine Neigung von bis zu 61% haben kann - von oben kommend natürlich andersherum. Weil beide Wagen andere konstruktive Merkmale aufweisen, wird einfach nach Hälfte der Strecke gewechselt. Natürlich kannst du auch den Berg nach oben wandern, du solltest beachten, dass dann aber auch noch der Abstieg kommt. Nur wenn du ein guter und geübter Wanderer bist, dann kannst du beides sehr gut bezwingen. Die genauen Fahrzeiten und die Preise kannst du hier finden.

Blick vom Zuckerhut der Schweiz auf den Luganosee

Oben angekommen hat man einen gigantischen Ausblick auf den Luganersee und die Berggipfel der Schweizer und Savoyer Alpen. Jedenfalls bei schönem Wetter. Nicht so wie bei unserem Ausflug. Leider gab es kein schönes Panorama zu sehen, dennoch entschieden wir uns weiter nach Morcote zu wandern. Die Wanderung ist angegeben mit 3 Stunden und 11 km Laufstrecke. Idealer Zeitpunkt für diese Tour ist zwischen März und November. Regenjacke und festes Schuhwerk ist ratsam. Die ersten 200 Höhenmeter ging es wirklich sehr steil nach unten, was den Muskeln und dem Knie etwas zur Last fielen. Ich ging einfach bedachter und langsamer, Schritt für Schritt, aber dennoch ohne grosser Gefahr.

Der erste Ort, der uns auf der Reise begegnete war Ciona, mit wunderbarem Blick auf den San Salvatore und Luganersee. In dem Dorf sind wir nur durchgewandert und sind nur für ein paar Bilder stehengeblieben. Der Wanderweg führte uns weiter durch die Wälder von Lugano und so langsam lies sich auch immer mehr die Sonne sehen. Obwohl an diesem Tag Regen angesagt war, entschieden wir uns, die Reise trotzdem anzugehen. Das hat sich am Ende auch wirklich gelohnt. Nur wenige Wanderer sind uns an diesem Tag begegnet und machten die Wanderung erholsam und entspannt. Weiter ging aus dem Weg Via Roccolo nach Carona. Übrigens, deinen Weg kannst du nicht verfehlen, denn überall sind Hinweise des Wanderweges angebracht oder auch Schilder, die dir deine Richtung weisen. Zudem ist die Dauer bis zum jeweiligen Ort immer mit angegeben, denn es gibt auch unterschiedliche Wege, um ans selbe Ziel zu kommen. Die Wanderwege führen durch den Wald, das Laufen nebeneinander wurde wieder einfacher und der Abstieg war auch nicht mehr so steil wie am Anfang.

Als wir dann auf der nächsten Etappe angekommen sind und Carona erreichten, entschieden wir uns ein wenig im Dorf umzusehen und nach etwas zu essen zu suchen. Wir gingen links den Weg aus der Lichtung kommend in die Stadt und waren so begeistert, das wir noch Fotos machen wollten. Als wir aber am Ristorante Posta vorbeiliefen und ein unglaublich bezaubernder Geruch aus dem Haus strömte, entschieden wir uns sofort in das Wirtshaus einzukehren. Irgendwie war es so typisch italienisch - ein bisschen wirbelig, zusammengewürfelt, laut, aber auch entspannend zugleich. Die Speisekarte war nur auf italienisch und das fühlte sich wie Urlaub an. Lasagne und gefüllte Ravioli mit Spinat und Ricotta wählten wir zur Hauptspeise, Panna Cotta und Tiramisu als Nachspeise. Ein waschechter italienischer Cappuccino durfte zum Süssen natürlich nicht fehlen. Insgesamt zahlten wir 70 CHF.

Weiter ging unser Weg Richtung Morcote, wo wir an einer Wallfahrtskirche vorbei kamen, die Madonna d'Ongero. Die Kirche wurde bereits im 17. Jahrhundert gebaut und grenzt an die 1515 errichtete Kapelle. Der Grundriss erinnert an ein lateinisches Kreuz, mit einem einzigen Schiff und zwei Seitenkapellen und in der Mitte befindet sich eine tonnenförmige Kuppel. Die Kirchenwände und das Kuppelgewölbe, wurden zum grössten Teil von Alessandro Casella, einem in Italien sehr bekannten Künstler, angefertigt. Der Hauptaltar ist mit einer Madonna geschmückt und rundherum befinden sich Putten (Skulpturen oder Malereien einer Kindergestalt, die meist wenig bekleidet oder nackt auftritt; mit oder ohne Flügel [Quelle:Wikipedia] aus späteren Epochen. Die genaue Beschreibung kannst du gern hier noch mal nachlesen.

Immer wieder kommt man an eine Lichtung, auf der man über die ganze Stadt und zurück auf den Zuckerhut der Schweiz blicken kann. Gigantisch, was für eine Strecke man zurücklegt. Wir erreichten nach 21 Minuten Fussweg die Kirche S. Maria Assunta di Torello, welche 1217 vom Bischof Como Guglielmo della Torre gegründet wurde. Sie gehörte zum Augustinerkloster und wurde 1389 aufgehoben und ging als privates Wohnhaus zu seinem Besitztümer über. Noch heute wohnen dort Menschen auf dem Hof und auch einen Bewohner konnten wir auf seinem Feld erblicken. Wer noch mehr darüber erfahren möchte, kann gern hier weiterlesen.

Entlang dem ausgeschildertem Wanderweg liefen wir auf dem Berg, entlang des Wassers, eine Stunde in Richtung Morcote. Es war eine unglaubliche Stille und niemand ausser uns ging den Weg entlang. Niemand folgte uns oder kam uns entgegen. Erst als wir in dem Vorort der Stadt ankamen, konnten wir wieder Menschen entdecken. Du kannst auch einen Wanderweg direkt durch den Wald nach Morcote nehmen, dieser dauert allerdings etwa eine Stunde länger, als den, den wir gewählt haben. Da wir noch eine weite Heimreise nach Zürich haben, entschieden wir uns für den kürzeren Weg. Und so steuerten wir die Bushaltestelle “Parco Scherrer”, direkt am Wasser gelegen an und fuhren zurück nach Zürich, über Lugano Paradiso, Lugano und Arth-Goldau.

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