Im Tal der 72 Wasserfälle: Wandern im Berner Oberland

Einer von 72 Wasserfällen in Lauterbrunnen

Das Tal der 72 Wasserfälle klingt einfach sehr verlockend, denn ich finde dieses von der Natur geschaffene Phänomen immer wieder anziehend und das Betrachten des herunterkommenden Wassers ist immer wieder faszinierend. Wusstest Du, dass Wasserfälle besonders an den Stellen entstehen, wo widerstandsfähiges Gestein auf leicht ausräumbares Gestein folgt? Der klassische senkrechte Sturz, wie man Wasserfälle kennt, sind eher die Ausnahme. Meistens befinden sich gleitende Abschnitte in der Fallstrecke, die oft in stufige Absätze umgeformt werden. Je nach Steilheit der Talstufe können daraus treppenartige Kaskaden (über mehrere Stufen verlaufend) oder Abfolgen mehrerer Wasserfälle entstehen.

Bereits eine Woche vor dem Start der Wanderung buchte ich mir ein Ticket im Sparpreis auf der Seite der SBB. Durch mein Halbtaxabonnement sparte ich 50% des Normalpreises und zahlte gerade mal 49 CHF. Mit diesem Ticket kann ich einen ganzen Tag lang in der 2. Klasse, aller in dem Verbund eingetragenen öffentlichen Verkehrsmittel, der Schweiz fahren. Normalpreis des Tickets beträgt 88 CHF.

Anfangs April eine Wanderung zu finden, die schon frei von Schnee und ohne grössere Hindernisse machbar ist, war schwieriger zu finden. Klar war für mich, dass ich gern das Berner Oberland ein wenig näher kennenlernen wollte. So entschied ich mich unter 1000 Höhenmeter zu bleiben und somit unter der Schneegrenze zu sein.

Lauterbrunnen - Stechelberg - Mürren - Winteregg - Grütschalp - Lauterbrunnen

Ein Wegweiser am Bahnhof von Lauterbrunnen

Ein Wegweiser am Bahnhof von Lauterbrunnen

Dauer: 3 - 4 Stunden

Höhe: 795 m ü. N

Technische Anforderungen: leicht

Geeignete Jahreszeit: April - November

Da das Wetter eher trüb und regnerisch vorausgesagt wurde, entschied ich mich für den klassischen Zwiebellook. T-Shirt, Pullover, Windjacke und Wanderschuhe mit Trekking-Socken sind da eine gute Kombination. Ein Regencape hatte ich zur Sicherheit dabei, musste es aber an diesem Tag nicht benutzen. An Fotoequipment nutze ich meine Sony mit dem Sigma 35mm 1.4 Art und dem Sony 85mm 1.8. Eine gute Variation, um ein breites Landschaftsbild festzuhalten, aber auch nahe genug, um Detailaufnahmen der Umgebung zu bekommen.

Gleich zu Beginn, nur wenige Meter vom Bahnhof Lauterbrunnen entfernt, tauchte vor mir schon der erste Wasserfall auf, auf den bald viele weitere folgen werden. Insgesamt sollen in dieser Gegend des Berner Oberlands genau 72 Wasserfälle zu sehen sein. Alle konnte ich an diesem Tag nicht erblicken.

Der gut asphaltierte Weg, geht inmitten des Tals zwischen den Bergen Schwarzmönch, Tschuggen, Breithorn und Grosshorn hindurch. Die Wolkendecke verschob sich im Laufe des Tages noch weg, weshalb ich einen wunderbaren Ausblick auf die Berge bekommen habe.

Frischer Alp Käse für unterwegs

Einen kurzen Stop legte ich ein, um leckeren Alp Käse, stammend von der Mederalp, von Familie D. Rubin zu kaufen. Mein 260g Stück kostete mich gerade mal 5 CHF. Nur schade, dass alle Käsestücke in Plastik eingeschweisst waren. Ein paar Meter weiter fiel mir ein grosser Automat auf, bei dem man nicht etwa Schokolade und Getränke kaufen kann, sondern dieser war bestückt mit frischem Käse, frischer Trockenwurst, hausgemachter Marmelade und Apfelringen. Du kannst sogar mit Karte oder Scheinen bezahlen. Mein Stück Käse, war aber bereits gesichert.

Die Strecke bis zum Aegertenbachfall geht gut asphaltiert weiter und bis zur Schilthornbahn, geht es dann über Stock und Stein weiter. Die “weisse Lütschine” begleitet Dich auf Deinem Weg zur Schilthornbahn und immer wieder wirst Du kleinen und grossen Wasserfällen begegnen. Schon von Weitem habe ich gesehen, dass eine Gondel auf den Berg hinauffährt. An der Kasse fragte ich, ob ich das Spartagesticket der SBB auch nutzen darf. Bis nach Mürren ist das Ticket gültig und so entschied ich mich kurzerhand für einen Ausflug in den Schnee.

Die Schilthornbahn

Hinauf ging es mit der Schilthornbahn auf 1650 m ü. M., mit einem kleinen Zwischenstop in Gimmelwald, um die Bahn zu wechseln und weiter zum Ausflugsziel Mürren im Berner Oberland zu kommen. Da im April die Berge noch Schneebedeckt sind, wurde auch der Weg mit der Gondel immer frischer je Höher wir fuhren. Die Wintersaison und damit Haupteinnahmezeit, neigte sich ihrem Ende zu, weshalb sehr viele Restaurants, Hotels und Pensionen bereits geschlossen hatten. Klar, wenn die Touristen bereits ausgeflogen sind, gönnen sich die Arbeiter ihre wohlverdiente Auszeit. Ein paar Wintersportbegeisterte waren dennoch anzutreffen, weil noch nicht alle Lifte geschlossen waren. Lustig war, dass einige noch Wintersport betrieben, wobei Kinder in der Sonne bereits mit T-Shirt und kurzer Hose Fussball spielten.

Für Winterfans hier noch meine Tipps zur Anreise und Übernachtung

Kosten Parkplatz

Mürren und Gimmelwald sind komplett autofrei und nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Das Auto kannst Du im Tal stehen lassen - entweder im Parkhaus unterstellen oder neben der Gondel gibt es Parkplätze, welche aber nicht überdacht sind. Informationen zu den Kosten findest Du hier. Vor allem in den Wintermonate rate ich Dir, Deinen Parkplatz frühstmöglich via Internet zu buchen. Für einen überdachten Parkplatz zahlst Du für 7 Tage 88 CHF. Mein Tipp: Wenn du gern Ausflüge ins Berner Oberland von Mürren mit Deinem Auto unternehmen möchtest, kannst Du auch ein Ein- und Ausfahrticket im Voraus buchen. Mit diesem kannst Du während 7/14 oder 30 Tagen so oft aus dem Parkplatz oder in das Parkhaus hinein- oder herausfahren. Der offene und nicht überdachte Parkplatz an der Schilthornbahn kostet Dich für 7 Tage 48 CHF.

Die Goldencard

Die Goldencard erhält jeder Tourist der die Kurtaxe der Gegend bezahlt hat. Die Kosten für einen Erwachsenen liegen bei 4.60 CHF die Nacht, für Kinder von 6 - 16 Jahren liegt der Preis bei 2.40 CHF die Nacht. Mit der Goldencard erhältst Du in der gesamten Jungfrau Region Rabatte für diverse Aktivitäten oder gratis Eintritte. Einfach an der Kasse vorzeigen.

Unterkünfte in Mürren

Unterkünfte in Gimmelwald

Im Tourismus Center, zu finden im Alpines Sportzentrum in Mürren, lies ich mir Auskunft geben, was man in diesem kleinen Örtchen alles entdecken kann. Die Empfehlung kam direkt mit der Allmendhubelbahn nach Allmend zu fahren. Ich erkundete das Dorf nach einem kleinen Cafe und stiess dabei auf das LIV. Niedlich hergerichtet und mit selbstgebackenen Kuchen, lockte mich das LIV nach drinnen. Kaffee und Kuchen kosteten mich zusammen 10 CHF. Deine wiederauffüllbare Wasserflasche bei der Wanderung im Berner Oberland dabei zu haben lohnt sich sehr, denn frisches Quellwasser kannst Du Dir an einen der Brunnen kostenfrei wieder auffüllen.

Zurück nach Lauterbrunnen

Gegen 15 Uhr entschied ich mich wieder zurück nach Lauterbrunnen zu gehen. Du kannst von Mürren aus entweder bis ins Tal laufen, direkt an der Bahnstation in den Zug einsteigen und dann mit der Gondel ins Tal fahren. Oder du kannst auf der Hälfte der Strecke - in Winteregg - in den Zug einsteigen. Direkt an den Zugschienen verläuft ein Fussgängerweg, der gut ausgebaut ist und trotz ein paar Schneemassen auch im April gut zu laufen geht. Man merkt, dass der Frühling so langsam kommt, die Sonne immer stärker wird, weil das meiste Eis bereits geschmolzen ist oder zu schmelzen anfing. Von Mürren bis nach Winteregg brauchst Du zu Fuss etwa eine Stunde. Da das letzte Stück weg immer riskanter aufgrund von glatten und matschigem Schnee war, entschied ich mich dagegen auch noch nach Grütschenalp weiter zu gehen. Im Sommer bietet sich der Weg aber perfekt für einen schönen Spaziergang an. Hierfür solltest du etwa nochmals 1 - 1.5 Stunden einplanen. Die letzte Gondel von Grütschalp nach Lauterbrunnen fährt um 20:13 Uhr. Der letzte Zug von Mürren nach Grütschalp fährt um 19:58 Uhr und ist um 20:11 Uhr an der Gondelstation. So kannst du mit der letzten Bahn die Gondel in das Tal erreichen, denn du bist innerhalb von 7 Minuten wieder unten.



Hast du noch Tipps zu diesem tollen Ausflugsziel? Hast du bereits alle 72 Wasserfälle gesehen und gezählt? Oder möchtest du mir von deinem besonderem Erlebnis in dem Berner Oberland erzählen? Schreib es mir gern in die Kommentare.